Fauna

Die Tierwelt im Nationalpark Plitvicer Seen ist vielfältig und reich, dank der Vielfalt und Erhaltung der Lebensräume. Die biologische Diversität der Fauna wurde noch nicht vollständig erforscht. Wirbeltiere (mit Ausnahme kleiner Wirbeltiere, außer der Fledermäuse) sind mit bislang 259 Arten verhältnismäßig gut untersucht, während die Fauna der Wirbellosen – obwohl deutlich zahlreicher – weniger erforscht ist. Sie wurde in erster Linie im Rahmen limnologischer Untersuchungen (Zooplankton, Makrozoobenthos, Mikrozoobenthos) erforscht, da der Lebensraum Wasser von primärer Bedeutung auf diesem Gebiet ist.

Die erforschten Gruppen (Wirbellose und Wirbeltiere) umfassen eine erhebliche Anzahl seltener und gefährdeter Arten nach der Vogelschutzrichtlinie (Richtlinie 2009/14/EG) und der Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen (Richtlinie des Rates 92/43/EWG), dem Anhang II des Übereinkommens über die Erhaltung der europäischen wild lebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume (Berner Konvention) sowie endemischer und streng geschützter Arten (Verordnung über streng geschützte Arten, Amtsblatt “Narodne novine” Nr. 144/2013), was auf die Besonderheiten des Parkgebiets hindeutet.

Unter den Insekten bekommt die verdiente Aufmerksamkeit die Gruppe der Schmetterlinge mit bisher 321 entdeckten Arten (80 Tagfalter und 245 Nachtfalter). Drei interessante Arten aus der Familie der Bläulinge stechen besonders hervor: der Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris alcon alcon), der Quendel-Ameisenbläuling (Phengaris arioni) und der Kreuzenzian-Ameisenbläuling (Phengaris alcon rebeli).

Der Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris alcon alcon) (Abb. 1) ist eine kritisch bedrohte Schmetterlingsart (CR), die ihre dichtesten Populationen im Park hat, der eines der besterhaltenen Gebiete in Kroatien für diese global gefährdete Schmetterlingsart ist. Der Quendel-Ameisenbläuling ist eine empfindliche Art (VU) und ist im Anhang II des Übereinkommens über die Erhaltung der europäischen wild lebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume (Berner Konvention) und Anhang IV der Richtlinie des Rates 92/43/EWG zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen aufgelistet.

Abb. 1 Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris alcon alcon)

Abb. 1 Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris alcon alcon)

Unter den gefährdeten Arten stechen durch ihre Schönheit der Schwalbenschwanz (Papilio machaon), der Osterluzeifalter (Zerynthia polyxena), der Schwarze Apollo (Parnassius mnemosyne) (Berner Konvention I und Anhang IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) und der Skabiosen-Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) hervor. Der Skabiosen-Scheckenfalter und der Russische Bär (Euplagia quadripunctaria) (Abb. 2) sind die Zielarten des Parks nach Natura 2000.

Abb. 2 Russischer Bär (Euplagia quadripunctaria)

Abb. 2 Russischer Bär (Euplagia quadripunctaria)

Eine besonders interessante Insektengruppe sind Köcherfliegen mit bisher 89 registrierten Arten, darunter auch ein Endemit (Drusus croaticus) und eine endemische Unterart (Ryacophila dorsalis plitvicensis). Libellen sind wie die Köcherfliegen eine ansprechende und besondere Insektengruppe wegen ihres Lebenszyklus, der Land- und Wasserökosysteme verbindet; dazu sind sie wichtige Bioindikatoren der Wasserökosysteme. Bis heute wurden sie nicht systematisch erforscht oder inventarisiert. Von der bisher festgestellten Anzahl gefährdeter Arten (8) ist die Braune Mosaikjungfer (Aeshna grandis) (Abb. 3) in der Kategorie (EN) besonders reizvoll. Meistens ist sie in Waldgebieten des Parks zu sehen, wobei sie sich in ruhigen und an mit Ufervegetation reichen Gewässern (Seen, Wasserlachen, abgeschnittene Flussarme u.Ä.) fortpflanzt.

Die Vogel-Azurjungfer (Coenagrion ornatum) ist eine Art des Nationalparks nach Natura 2000. Sie besiedelt kleine, sonnige und seichte Bäche sowie langsam fliesende Kanäle.

Abb. 3 Braune Mosaikjungfer (Aeshna grandis) (Foto: Anita Belančić)

Abb. 3 Braune Mosaikjungfer (Aeshna grandis) (Foto: Anita Belančić)

Wegen ihrer ökologischen Merkmale sind die Laufkäfer eine sehr faszinierende Gruppe. Sie können als Anhaltspunkt der Lebensraumqualität dienen. Bei bisherigen Erforschungen und durch zufällige Beobachtung wurden auf dem Parkgebiet 29 Arten vorgefunden.

Von den sieben Totholzkäferarten in den Anhängen II und IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, NATURA 2000, sind sechs Arten auf dem Gebiet des Nationalparks Plitvicer Seen vorzufinden, während das Parkgebiet für folgende drei Arten ein Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung ist: der Eremit (Osmoderma eremita)* (*Priorität), der Trauerbock (Morimus funerus) und der Alpenbock (Rosalia alpina).

Die bewahrten Wälder des Urwaldstadiums sind ideale Lebensräume für diese Arten.

Abb. 4 Alpenbock (Rosalia alpina)

Abb. 4 Alpenbock (Rosalia alpina)

Unter den Wirbellosen sind häufig anzutreffende Bewohner von Wasserökosystemen – die hier von primärer Bedeutung sind – zwei bedrohte und streng geschützte Arten der Zehnfußkrebse (Decapoda) – der Flusskrebs (Astacus astacus) und der Bachkrebs (Austropotamobius torrentium) (Abb. 5). Der Bachkrebs ist auch eine Art des Nationalparks nach Natura 2000.

Abb. 5 Bachkrebs (Austropotamobius torrentium)

Abb. 5 Bachkrebs (Austropotamobius torrentium)

Eine große Vielfältigkeit herrscht auch unter den Wirbeltieren. Die Seen und ihre Zuflüsse haben die Eigenschaften typischer Forellen-Gebirgsgewässer. Die Ichthyofauna-Struktur wurde als Folge der Fischansiedlung in der Vergangenheit, des ungewollten Fischeintrags, der veränderten Trophie oder durch den Einfluss anderer Faktoren (Klimaschwankungen u.a.) verändert. Die Bachforelle (Salmo trutta) (Abb. 6) ist heute durch allochthone Populationen des
Döbels (Leuciscus cephalus), der Rotfeder (Scardinius erythrophthalmus) und des Hechts (Esox lucius) verdrängt.

Abb. 6 Bachforelle (Salmo trutta) (Foto: Aljoša Duplić)

Abb. 6 Bachforelle (Salmo trutta) (Foto: Aljoša Duplić)

Amphibien und Reptilien sind mit je 14 Arten vertreten. Von den 14 festgestellten Amphibienarten sind 6 Arten im Anhang II des Übereinkommens über die Erhaltung der europäischen wild lebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume (Berner Konvention) – BE2 – und Anhang IV der Richtlinie 92/43/EWG zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen – DS4 – enthalten. Besonders interessant ist der Fund der Art Alpensalamander (Salamandra atra) (Abb. 7) und des Alpen-Kammmolchs (Triturus carnifex), die für die Alpen und das westliche Dinaridische Gebirge charakteristisch sind. Leider wurde auch die Anwesenheit allochtoner Arten (Pelophylax kurtmulleri) bestätigt, die aus Albanien und Griechenland stammen. Die Beobachtung und Kontrolle der Verbreitung allochtoner Arten und des Einflusses auf Populationen autochthoner Arten ist eine der Prioritäten der Parkverwaltung.

Abb. 7 Alpensalamander (Salamandra atra)

Abb. 7 Alpensalamander (Salamandra atra)

Wie die Amphibien, werden auch die Reptilien auf dem Parkgebiet durch 14 interessante und bedeutende Vertreter repräsentiert. Von dieser Anzahl sind sogar 9 Arten im Anhang II des Übereinkommens über die Erhaltung der europäischen wild lebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume (Berner Konvention) – BE2 – und Anhang IV der Richtlinie 92/43/EWG zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen – DS4 – aufgelistet, eine Art ist im Anhang IV der Richtlinie 92/43/EWG zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen – DS4 – enthalten und eine ist gefährdet Art (DD – Vorsorgegrundsatz). Von den insgesamt 14 bestätigten Arten haben 10 den Status streng geschützter Arten (Verordnung über streng geschützte Arten, NN 144/2013).

Bei den Eidechsen ist die Anwesenheit der Waldeidechse (Zootoca vivipara) besonders interessant. Die Waldeidechse zeigt auf dem Großteil ihres Areals ovovivipares Verhalten (sie gebärt lebende Junge), während bloß in einigen südlichsten Bereichen die Fortpflanzung ovipar ist (sie legt Eier). Im Parkgebiet wurde auch die Kroatische Gebirgseidechse (Iberolacerta horvathi) beobachtet. Ansonsten ist diese Art in einem schmalen Gürtel von den östlichen Alpen zum nördlichen Dinaridischen Gebirge verbreitet, der auch Kroatien umfasst, sodass ihre Anwesenheit im Park besonders faszinierend ist.

Im Parkgebiet sind auch zwei von drei der kroatischen Giftschlangen vertreten – die Hornotter (Vipera ammodytes) (Abb. 8) und die Kreuzotter (Vipera berus).

Abb. 8 Hornotter (Vipera ammodytes) (Foto: Sanja Žalac)

Abb. 8 Hornotter (Vipera ammodytes) (Foto: Sanja Žalac)

Der Park verfügt über eine reiche und vielfältige Vogelwelt. Bislang wurden 168 Vogelarten verzeichnet. Aufgrund der Erhaltung und der Fläche von Waldlebensräumen (etwa 76 % der Fläche) ist auch die Vielfalt und die Fülle an mit Waldlebensräumen verbundenen Arten groß. Unter den Vogelarten stechen insbesondere unter den Waldarten Spechte, Eulen, Raubvögel und Meisen hervor, die ein Anzeichen für die Erhaltung und Qualität der Waldlebensräume sind. Verzeichnet wurden 9 Spechtarten, 12 Raubvogelarten und 8 Eulenarten. Mit Waldlebensräumen, die etwa 80 % der Parkfläche einnehmen, ist die Hälfte der Raubvogel- und Eulenarten verbunden, die im Park nisten. Die zahlreichsten Arten im Park sind der Mäusebussard (Buteo buteo), der Habichtskauz (Strix uralensis) (Abb. 9) und der Waldkauz (Strix aluco). Von besonderer Bedeutung ist der Habichtskauzbestand mit etwa 10 %, der Sperlingskauzbestand mit etwa 8 % und der Rauhfußkauzbestand mit etwa 5 % vom gesamten Bestand in Kroatien. Die Dichte der Habichtskauzpopulation (5,4 Paare/10 km2) in Buchen- und Tannenwäldern des südwestlichen Parkbereichs ist die höchste verzeichnete Dichte dieser Art in Kroatien und unter den höchsten in Europa.

Abb. 9 Habichtskauz (Strix uralensis) (Foto: Dario Štefančić)

Abb. 9 Habichtskauz (Strix uralensis) (Foto: Dario Štefančić)

Das Grünland macht etwa 23 % der Parkfläche aus. Wichtig ist es für die Brutvögel Wiesenweihe (Circus pygargus), Sumpfohreule und Wachtelkönig (Crex crex) (Abb. 10). Der gesamte Bestand des Wachtelkönigs im Nationalpark beträgt 40 bis 60 rufende Männchen. Ein besonders bedeutender Lebensraum für diese Vogelart befindet sich im Südbereich des Parks (die Felder Homoljačko polje und Brezovačko polje), wo auch der Brutvogel Feldlerche (Alauda arvensis) häufig anzutreffen ist.

Abb. 10 Wachtelkönig (Crex crex) (Foto: Davor Krnjeta)

Abb. 10 Wachtelkönig (Crex crex) (Foto: Davor Krnjeta)

Von allen insgesamt verzeichneten Brutvögeln befinden sich 37 auf der Liste bedrohter Arten (Verordnung über streng geschützte Arten, NN 144/2013). Die Kategorie kritisch bedrohter Arten (CR) umfasst eine Spezies, den Wespenbussard Pernis apivorus – ein seltener Brutvogel, von dem es nur wenige im Park gibt. Die Kategorie empfindlicher Arten (VU) umfasst 6 Spezies: Sperlingskauz (Glaucidium passerinum), Wachtelkönig (Crex crex), Schwarzstorch (Ciconia nigra), Wanderfalke (Falco peregrinus), Flussuferläufer (Actitis hypoleucos) und Hohltaube (Columba oenas). Die Kategorie gefährdeter Arten (EN) umfasst 2 Spezies:  Wiesenweihe (Circus pygargus) und Tüpfelsumpfhuhn (Porzana porzana). Die Kategorie NT umfasst folgende Spezies: Uhu (Bubo bubo), Habichtskauz (Strix uralensis), Raufußkauz (Aegolius funereus), Eisvogel (Alcedo atthis), Dreizehenspecht (Picoides tridactylus), Gelbspötter (Hippolais icterina), Fitis (Phylloscopus trochilus), Baumfalke (Falco subbuteo). Von den Brutvögeln sind 76 Arten im Anhang II des Übereinkommens über die Erhaltung der europäischen wild lebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume (Berner Konvention) enthalten.

Abb. 11 Dreizehenspecht (Picoides trydactilus)

Abb. 11 Dreizehenspecht (Picoides trydactilus)

Im Park nisten regelmäßig oder gelegentlich 17 Arten aus Anhang I der Vogelschutzrichtlinie, wobei 6 Arten (Wachtelkönig (Crex crex), Habichtskauz (Strix uralensis), Raufußkauz (Aegolius funereus), Sperlingskauz (Glaucidium passerinum), Weißrückenspecht (Picoides leucotos) und Dreizehenspecht (Picoides trydactilus) (Abb. 11)) in einer Zahl nisten, die es ermöglicht hat, dass der Nationalpark Plitvicer Seen ein Teil des NATURA-Projekts als Vogelschutzgebiet (POP) HR100020 wird.

Als Qualitätsindikator für Wasserlebensräume und reine (oligotrophe) Gewässer ist besonders die Wasseramsel (Cinclus cinslus) (Abb. 12) interessant, die oft neben Seen und Bächen beobachtet und gehört werden kann. Die felsigen Lebensräume der Unteren Seen sind Domizil und Brutplätze der Natura-Arten Wanderfalke (Falco peregrinus) und Uhu (Bubo bubo). Diese Lebensräume sind ebenfalls Heim seltener Arten, wie z.B. des Kolkraben (Corvus corax).

Abb. 12 Wasseramsel (Cinclus cinslu) (Foto: Davor Krnjeta)

Abb. 12 Wasseramsel (Cinclus cinslu) (Foto: Davor Krnjeta)

Im Park sind dazu 50 Säugetierarten verzeichnet. Durch ihre Zahl und Besonderheit heben sich die Fledermäuse (22 Arten) hervor.

Alle Fledermausarten im Park sind in der Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen (Richtlinie des Rates 92/43/EWG) und im Anhang II des Übereinkommens über die Erhaltung der europäischen wild lebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume (Berner Konvention) aufgelistet und haben in Kroatien den Status streng geschützter Arten. Die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus), Langflügelfledermaus (Miniopterus schreibersi), Langfußfledermaus (Myotis capaccinii) (Abb. 13), das Große Mausohr (Myotis myotis), die Mittelmeer-Hufeisennase (Rhinolophus euryale) und die Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum) sind Natura-Arten des Parks.

Abb. 13 Langfußfledermaus (Myotis capaccinii) (Foto:)

Abb. 13 Langfußfledermaus (Myotis capaccinii) (Foto:)

Die Anwesenheit großer Tiere, wie z.B. des Bärs (Ursus arctos), des Wolfs (Canis lupus), des Luchses (Lynx lynx) (Abb. 14) und des Fischotters (Lutra lutra), die ebenfalls streng geschützte und auf globaler Ebene bedrohte Tierarten sind, ist eine Bestätigung der Qualität und des Erhalts der Lebensräume – der Waldlebensräume des Bärs, Wolfs und Luchses sowie der Wasserlebensräume des Fischotters. Alle angeführten Arten bevorzugen ruhige und abgeschiedene Bereiche, die ihnen genügend Beute sowie Unterschlupf für ihre Tagesruhe und insbesondere Schutz für Jungenaufzucht bieten. In dieser Hinsicht ist besonders der Luchs anspruchsvoll. Der Luchs ist eine kritisch bedrohte (CR) Tierart und gehört zum Anhang IV der Habitatrichtlinie. Der Fischotter, der Bär und der Wolf sind im Anhang I (Berner Konvention) und Anhang IV der Habitatrichtlinie aufgelistet. Alle vier Tierarten sind Natura-Arten des Nationalparks.

Abb. 14 Luchs (Lynx lynx) (Foto: Archiv Nationalpark Plitvicer Seen)

Abb. 14 Luchs (Lynx lynx) (Foto: Archiv Nationalpark Plitvicer Seen)