Flora

Im Rahmen bisheriger Forschungen für den Nationalpark Plitvicer Seen wurden über 1.400 Pflanzenarten (Spezies und Subspezies) aufgezeichnet, was 30 % der gesamten kroatischen Flora ausmacht.

Der Grund hierfür sind die geographische Lage (ca. 55 km Luftstrecke vom Meer im Hinterland des längsten und höchsten kroatischen Bergs Velebit, an den Hängen von Mala Kapela und Lička Plješevica, auf der Höhe von 369 bis 1279 m über dem Meer), geomorphologische, klimatische und ökologische Faktoren.

Für die Vielfalt und die Fülle an Flora im Parkgebiet ist der Lebensraum Grünland (Wiesen und Weiden) von besonderer Bedeutung. Weil er Raum für das Grasen von Tieren und den Anbau von Lebensmitteln benötigte, hat der Mensch auch auf diesem Gebiet vor langer Zeit das Grünland geprägt und durch traditionelle Lebensweise eine erhöhte Biodiversität und Stabilität des Ökosystems geschaffen.

Das Zusammenspiel all dieser Faktoren ermöglichte die Entwicklung einer reichen und vielfältigen Pflanzenwelt. Auf einem relativ kleinen Parkgebiet kommen verschiedene Arten mit unterschiedlicher Verbreitung und unterschiedlichen Florenelementen vor: mediterran, mediterran-atlantisch, illyrisch, balkanisch, karpatisch, eurasisch, zirkumpolar, boreal u.a. Die Vielfalt und Fülle an Flora, die Anwesenheit von Endemiten, durch internationale Konventionen geschützter Arten (Berner Konvention und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie), gefährdeter und geschützter Sippen, machen den Park zu einem vom floristischen Standpunkt wertvollen Gebiet auf nationaler und globaler Ebene.

Der Bestand der Endemiten (etwa 1,7 %) im Park ist verhältnismäßig niedrig, aber nicht unbedeutend, weil eine Reihe von interessanten Arten dort zu finden sind: Amethyst-Blaustern (Chouardia litardierei) (Abb. 1), Vielblütige Nieswurz (Helleborus multifidus), Kroatische Nelke (Dianthus croaticus), Gefingerter Lerchensporn (Corydalis solida) u.a.

Abb. 1 Amethyst-Blaustern Chouardia litardierei)

Abb. 1 Amethyst-Blaustern Chouardia litardierei)

Besondere Bedeutung kommt dem hohen Anteil (4,64 %) der nach IUCN gefährdeten Sippen zu. Der Park ist die einzige Fundstelle der weltweit kritisch bedrohten Art Sibirischer Goldkolben (Ligularia sibirica) (Abb. 2) in Kroatien, aber auch auf einem weitaus größeren Gebiet Südosteuropas. Sie erscheint in der Zusammensetzung feuchter Talwiesen im südöstlichen Parkbereich. Diese Spezies ist im Anhang IV der Richtlinie 92/43/EWG zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen und im Anhang I des Übereinkommens über die Erhaltung der europäischen wild lebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume (Berner Konvention) aufgelistet. Das Parkgebiet als Teil des Natura 2000 Netzes von Schutzgebieten – POVS 50000020 – ist neben dem Sibirischen Goldkolben für drei Zielarten von Bedeutung: Kriechender Sellerie (Apium repens), Amethyst-Blaustern (Chouardia litardierei) und Gelber Frauenschuh (Cypripedium calceolus) (Abb. 3). Der Gelbe Frauenschuh (Cypripedium calceolus), eine der gefährdetsten und schönsten europäischen Orchideen, hat auf dem Parkgebiet in Waldlebensräumen die bisher größten bekannten Bestände in Kroatien und darüber hinaus. Innerhalb der Flora des Parks ist die Vielfalt an Orchideen sehr groß (über 60 Sippen). Wegen der Schönheit ihrer Blüten, die in der Pflanzenwelt herausragen, wurden sie oft ausgerottet und sind deshalb heute selten und gefährdet.

Abb. 2 Sibirischer Goldkolben (Ligularia sibirica)

Abb. 2 Sibirischer Goldkolben (Ligularia sibirica)

Wegen ihrer Nahrungsaufnahme sind innerhalb der Pflanzenwelt besonders die fleischfressenden Pflanzen faszinierend und einzigartig. Auf dem Parkgebiet sind drei Arten vertreten. Das kritisch bedrohte (CR) Gemeine Fettkraut (Pinguicula vulgaris) (Abb. 4) kommt in der Zusammensetzung der kalkreichen Niedermoore des Parks vor, wo es immer noch zahlreiche und gut erhaltene Bestände gibt. Der Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia) und der Kleine Wasserschlauch (Utricularia minor) haben auf dem Bereich des azidophilen Moors im Park, das eines der besterhaltenen Übergangsmoore Kroatiens ist, ebenfalls gut erhaltene Bestände dank Maßnahmen der aktiven Moorverwaltung.

Abb. 3 Gelber Frauenschuh (Cypripedium calceolus)

Abb. 3 Gelber Frauenschuh (Cypripedium calceolus)

Mit zunehmendem Bevölkerungsrückgang und Abnahme der traditionellen Bewirtschaftung in besiedelten Gebieten, wird das Fortbestehen des Grünlands, der Moore und Heiden – damit auch der Biodiversität der Flora im Park – immer mehr in Frage gestellt.

Abb. 4 Gemeines Fettkraut (Pinguicula vulgaris)

Abb. 4 Gemeines Fettkraut (Pinguicula vulgaris)