Der Weltumwelttag

Urednik Nachhaltigkeit

Der diesjährige Weltumwelttag ist ein ganz besonderer, denn genau an diesem Tag, dem 5. Juni 2021, beginnt die Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen, die bis 2030 andauern wird. Die Vereinten Nationen verabschiedeten diese Resolution 2019 und das offizielle Ende der Dekade ist auch das Jahr, in dem wir als Menschen überprüfen werden, was wir bei der Erfüllung der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung erreicht haben! Jedes der festgelegten Ziele hat mehrere Unterziele – insgesamt wurden 169 Unterziele festgelegt.

Die Erfüllung der Ziele für nachhaltige Entwicklung ist allerdings mit der Wiederherstellung von Ökosystemen verbunden, insbesondere was die folgenden Ziele angeht: KEINE ARMUT (1), KEIN HUNGER (2), GESUNDHEIT UND WOHLERGEHEN (3), GESCHLECHTER-GLEICHHEIT (5), SAUBERES WASSER UND SANITÄR-EINRICHTUNGEN (6), BEZAHLBARE UND SAUBERE ENERGIE (7), MENSCHENWÜRDIGE ARBEIT UND WIRTSCHAFTSWACHSTUM (8), NACHHALTIGE STÄDTE UND GEMEINDEN (11), MASSNAHMEN ZUM KLIMASCHUTZ (13), LEBEN UNTER WASSER (14), LEBEN AN LAND (15), PARTNERSCHAFTEN ZUR ERREICHUNG DER ZIELE (17).

Wie einige degradierte Ökosysteme heute aussehen und wie sie nach zehn Jahren beziehungsweise nach 2030 aussehen sollten sowie wie wiederherstellte Ökosysteme zu den Zielen des Erhaltung beitragen, können Sie in der interessanten Infografik der IUCN sehen.

Obwohl vor uns viele Herausforderungen liegen, werden wir uns in der Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen auf jene gefährdeten und degradierten Teile unseres Planeten konzentrieren, die aufgrund intensiver Nutzung und Eingriffe in die natürlichen Werte ihre grundlegenden ökologischen Eigenschaften verändert haben. Diese Veränderungen beeinträchtigten erheblich das Gleichgewicht zwischen den Pflanzen- und Tierarten innerhalb der degradierten Ökosysteme sowie den Lebensraum selbst, und der Einfluss des Menschen ist in diesem Fall unbestreitbar. Wie können wir etwas verändern? Eine Veränderung ist gerade durch die Wiederherstellung (Erneuerung) der Ökosysteme möglich, was bedeutet, dass wir versuchen werden, die Zerstörung natürlicher Oberflächen beziehungsweise Lebensräume zu verhindern, zu stoppen und diese Gebiete zu rehabilitieren.

Jedes Ökosystem wie Wälder, Ozeane, Flüsse und Seen, Wiesen, Berggebiete, Sumpfgebiete u. Ä. zeichnet sich durch spezifische biologische, ökologische und hydrologische Merkmale aus. Durch deren Degradierung entstehen gefährdete und veränderte Ökosysteme, die als solche die Biodiversität nicht unterstützen können und sich generell negativ auf das menschliche Leben auswirken.

Wiesen als natürlicher Lebensraum werden oft durch intensive Landwirtschaft degradiert, wodurch die Artenvielfalt der Pflanzen auf solchen Gebieten fast vollständig verschwindet. Einige werden durch Überweidung zertreten, und neben der Landwirtschaft werden die Wiesen durch Sukzession degradiert – zunächst wächst eine buschartige Vegetation und dann Wald. Der Lebensraum könnte in diesem Fall durch extensive Landwirtschaft mit geringem Viehbesatz wiederhergestellt werden, wobei Mahdpläne und die Entfernung von Gehölzen die Sukzession verhindern würden. Solche Wiesen würden eine bedeutende Quelle der Biodiversität darstellen. Im Nationalpark Plitvicer Seen machen Wiesen und Moorwiesen 14,8 % der Gesamtfläche aus.

Waldökosysteme werden durch intensive menschliche Aktivitäten wie die Abholzung und das Verbrennen von Bäumen zur Gewinnung von Ackerland degradiert, auf dem in einigen Ländern Monokulturen wie beispielsweise Palmen für Palmöl angepflanzt werden. Durch diese Degradation verschwindet natürlich der Lebensraum für Pflanzen- und Tierarten, und mit der Abholzung von Wäldern verschwinden auch die Lungen des Planeten Erde. Es beeinträchtigt erheblich auch die Bindung von Kohlendioxid, das als Treibhausgas zum Klimawandel beiträgt. Ein wiederhergestelltes Waldökosystem wäre ein Lebensraum, in dem sich der Wald natürlich entwickelt (auch lange nach der Wiederaufforstung), es keine aktiven Brände gibt und alle Entwicklungsstadien der Bäume vertreten sind. Es wurde berechnet, dass im Nationalpark Plitvicer Seen die gesamte ober- und unterirdische Biomasse des Waldes 7.770.716 t beziehungsweise 330 t/ha beträgt, was bedeutet, dass die Wälder der Plitvicer Seen zu den produktivsten in Europa gehören (zum Vergleich beträgt die Biomasse in Europa 120 t/ha).

Moorwiesen sind ganz besondere Ökosysteme, deren Boden an Nährstoffen verarmt ist, die aber aufgrund der potenziell großen Mengen an Torf, der abgebaut und zur Energiegewinnung genutzt wird, einen äußerst wertvollen Lebensraum darstellen. Torfabbau ist eine signifikante Degradation dieses Lebensraums. Moorwiesen sind zudem sehr abhängig vom Bewässerungswasser. Ein Mangel an natürlicher unterirdischer oder oberirdischer Bewässerung kann also zur Austrocknung und dadurch einer Veränderung der ökologischen Bedingungen in diesem Lebensraum führen. Schließlich verhindert, wie bei den Wiesenflächen, die Sukzession beziehungsweise das Überwachsen der Moorwiese mit buschartiger Vegetation das Wachstum anderer Pflanzenarten. Ein wiederhergestellter Moorwiesen-Lebensraum wäre einer, in dem aktive Schutzmaßnahmen ergriffen wurden, und zwar die Verhinderung der Sukzession durch die Entfernung von Gehölzen, die Ermöglichung einer natürlichen Bewässerung sowie die Verhinderung der Brände und des Abbaus. Im Nationalpark Plitvicer Seen sind wir auf unsere Moorwiesenflächen, auf denen wir fleischfressende Pflanzen, das Moos Sphagnum sp. und andere Pflanzenarten finden können, besonders stolz.

Süßwasserökosysteme wie Quellen, Bäche, Flüsse, Seen und Sümpfe werden häufig durch menschliche Aktivitäten degradiert. Diese Aktivitäten haben Fragmentierung, Austrocknung, Überfischung und Verschmutzung durch Abwässer aus Haushalten oder der Industrie zur Folge. Das Trennen von Wasserläufen durch Dämme verursacht erhebliche Veränderungen im Stoff- und Energiedurchfluss durch die Flussökosysteme und ist besonders schädlich für die Wanderung von Fischarten. Die Verunreinigung der Süßwasserökosysteme trägt auch zu einer erheblichen Degradierung bei, durch die sich die physikalisch-chemischen und biologischen Bedingungen verändern, der Trophiegrad steigt und die Biodiversität abnimmt. Erneuerte, wiederhergestellte Süßwasserökosysteme wären solche, in denen eine gute bis sehr gute Wasserqualität erreicht wurde, Flussbarrieren beseitigt wurden, die Fischerei nachhaltig ist und Sumpflebensräume durch natürliche Überschwemmungen erhalten bleiben und ein Hotspot der Pflanzen- und Tiervielfalt, insbesondere der Vogelarten, sind. Im Nationalpark Plitvicer Seen macht das Wasserökosystem weniger als 1 % der Fläche aus. Mit seinen Karstquellen, Bächen, kleinen Flüssen und Seen ist es jedoch der beeindruckendste Teil dieses Schutzgebietes. Die kaskadenartig angeordneten Seen mit Sinterbarrieren entstanden genau durch den Prozess der Sinterbildung und- ablagerung, und dieser außergewöhnliche Prozess mit all seinen Bestandteilen wurde als einzigartiger universeller Wert anerkannt, dank dem der Nationalpark in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen wurde.

Unser blauer Planet Erde ist zu 71 % mit Wasser bedeckt, wovon 96,5 % auf die Ozeane entfällt. Ozeane sind außergewöhnliche Ökosysteme, die aufgrund des Klimawandels viele Folgen haben. Ihre Temperatur steigt, sie versauern, ihr Wasserspiegel steigt und überflutet Randgebiete von Kontinenten. Sie sind auch extrem empfindlich gegenüber Verschmutzung (fast wie Land- oder Süßwasserökosysteme). Temperaturveränderungen und sinkende pH-Werte in den Ozeanen führen zum Aussterben von Korallen und gefährden den Erhalt von Fischarten. Die Überfischung hat auch erhebliche Auswirkungen auf die Biodiversität, aber auch auf das Nahrungsnetz, indem sie die Beziehungen zwischen verschiedenen Arten beeinträchtigt. Die Auswirkung von Abfällen wie Plastik, das zweifellos in den Ozeanen landet und zu kleinsten Mikroplastikpartikeln degradiert, stellt eine gefährliche Bedrohung dar, deren Folgen wir noch nicht genau wissen. Erneuerte Ozeane mit all ihren Bestandteilen wie Wasseroberfläche, Tiefe und Meeresboden sind Ökosysteme, die reich an Pflanzen- und Tierarten sind, wobei die Fischerei nachhaltig ist, und alle Aktivitäten zur Milderung des Klimawandels global unternommen werden.

Im Rahmen der Kampagne zum Weltumwelttag wurde ein praktischer Leitfaden zur Wiederherstellung von Ökosystemen  veröffentlicht, in dem Sie über verschiedene Ansätze zur Wiederherstellung von Wäldern, landwirtschaftlichen Flächen, Wiesen und Savannen, Flüssen und Seen, Ozeanen und Küstengebieten, Großstädten und Städten, Mooswiesen und Bergen lesen können. Der Leitfaden hebt außerdem den Zusammenhang aller Teile der Gesellschaft und Institutionen durch #GenerationRestoration als globale Bewegung zur Wiederherstellung der Ökosysteme für das Wohlbefinden von Mensch und Natur hervor.